Im Rahmen des zwei Mal jährlich stattfindenden Kindersitztests des ADAC wurden Ende Mai 2021 die Ergebnisse von insgesamt 26 unter Augenschein genommenen Modellen veröffentlicht. Dabei offenbarten fünf Sitzmodelle nach dem strengeren Testregiment des ADAC so große Mängel, dass vor ihnen gewarnt wird.

Der maßgeblich vom ADAC in Zusammenarbeit mit drei weiteren Verbraucherorganisationen durchgeführte Test von Kindersitzen hat das Ziel, häufig verkaufte Modelle in den Kategorien „Sicherheit“, „Bedienung“, „Ergonomie“ und „Schadstoffgehalt“ zu überprüfen und zu bewerten. 

Dabei werden die zu testenden Modell von den Tester selbst ausgewählt und im anonym Handel gekauft. Hersteller können keine Sitze „in den Test“ schicken. Und da der Autositztest – maßgeblich vom ADAC, dem österreichischen ÖAMTC und dem schweizerischen TCS durchgeführt – von weiteren europäischen Verbraucherorganisationen, darunter die Stiftung Warentest, übernommen wird, finden sich immer mal wieder hierzulande nicht erhältliche Modelle in der Testreihe.

Und auch umgekehrt müssen manche Hersteller wie der deutsche Newcomer Avova darauf warten, bis neue Modelle durch eine ausreichende Abverkaufszahl in den Focus der Tester geraten.

Im Test werden gerade auch in den augenfälligen Crashtests Testszenarien abgeprüft, die teilweise über die gesetzlichen Mindestanforderungen einer Zulassung hinausreichen. Auf diesem Wege wird die Industrie dazu angehalten, ihre Sitzmodelle immer weiter zu verbessern. 

Ab 2020 wurden übrigens die Testdurchführung und die Testauswertung dem Stand der Technik angepasst. Die Änderungen im Test führen übrigens dazu, dass die neueren Ergebnisse nicht direkt mit denen der Vorjahre vergleichbar sind.

Referenzversuche haben gezeigt, dass die Unterschiede nicht besonders groß sind, so dass „sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“ bewertete Kindersitze aus den Vorjahren weiterhin empfohlen werden können.

18 Modelle schneiden „gut“ ab – fünf aber „mangehaft“

Ende Mai 2021 wurden nun die Ergebnisse der Testrunde aus dem Frühjahr veröffentlicht. Bereits im Vorwege wurde vor dem Modell „Kiros i-Size“ im Zusammenspiel mit der dazugehörigen „Kiros i-Size Base“ von Chicco gewarnt und das Unternehmen hat umgehend einen Rückruf ausgesprochen. 

Eine Vorabveröffentlichung erfolgen regelmäßig bei besonders sicherheitsrelevanten Testergebnissen, sodass das betroffene Unternehmen zeitnah Stellung nehmen und reagieren kann. 

Laut Unternehmensangaben wurde das Modell in Deutschland nicht im stationären Handel verkauft. Man könne aber nicht ausschließen, dass über den Online-Handel Exemplare nach Deutschland gelangt seien. 

Mit 18 Modellen schneidet die Mehrheit der getesteten Sitze mit „gut“ ab. Drei Modelle erhielten immerhin noch die Auszeichnung „befriedigend“. Diese Sitze übertreffen damit die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich. 

Zu den Herstellern, die sich über gute Ergebnisse freuen können, zählen Babyzen (über 2E Vertrieb), Maxi-Cosi und Stokke sowie Cybex, Joie, Peg Perego und Silver Cross.

Aber es gab auch Verlierer: Insgesamt fünf Kindersitze konnten nur mit „mangelhaft“ bewertet werden. Dabei scheiterten vier an den strengen Kriterien der Schadstoffprüfung, während das bereits erwähnte Modell „Kiros i-Size“ beim Frontal- und Seiten-Crash versagte. 

Die Babyschale „Chicco Kiros i-Size mit der Kiros i-Size Base“ löste sich beim Frontalaufpralltest von der Isofix-Basis und flog nahezu ungebremst nach vorne. Bei einem Unfall wäre das Verletzungsrisiko des Kindes damit deutlich erhöht. Der Sitz wurde im Rahmen des europäischen Gemeinschaftstests in Italien eingekauft und war – nach Angaben des Herstellers – nicht im deutschen Handel erhältlich. 

Immer wieder Schadstoffe

Während die meisten Hersteller sich inzwischen auf die ADAC-Testanforderungen eingestellt haben, kommt es immer wieder vor, dass Schadstoffe in den Bezügen nachgewiesen werden. Und hier wertet die offengelegte Methodik Sitze rigoros ab. Denn:

  • Ist die Bewertung des Schadstoffgehalts schlechter als „befriedigend“, führt dies zu einer graduellen Abwertung des Gesamturteils.
  • Und eine mangelhafte Bewertung der Sicherheit, der Bedienung oder des Schadstoffgehalts schlägt direkt auf das Gesamturteil durch.

Sprich: Wenn in einem der drei genannten Bereiche ein „mangelhaft“ festgestellt wird, wird das Modell insgesamt als „mangelhaft“ beurteilt.

So enthalten die Bezugsstoffe des „Besafe iZi Go Modular X1 i-Size“ (sowohl mit wie ohne „iZi i-Size Base“) und die des „Swandoo Marie 2“ Naphthalin, einem Stoff, der nach Angaben des ADAC im Verdacht steht, eine krebserzeugende Wirkung zu haben. Der „Osann Oreo 360°“ enthält hingegen den Weichmacher DPHP, der unter anderem die Schilddrüse schädigen kann. 

Drei Hersteller der mangelhaft getesteten Sitze haben auf die schlechte Bewertung reagiert und bieten den Eltern eine kostenlose Nachbesserung an: 

  • Chicco tauscht die Isofix-Station gegen eine verbesserte Konstruktion.
  • Osann bietet den Tausch der schadstoffhaltigen Schulterpolster an.
  • Swandoo bietet ebenfalls den Tausch der belasteten Sitzbezüge an.

Von Hersteller BeSafe hat es offenbar bis zur Veröffentlichung der Testergebnisse durch den ADAC keine Stellungnahme beziehungsweise keine Ankündigung eines Umtauschs gegeben.

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Als Chefredakteur hat Martin Paff die Branchenmagazine "Childhood Business" und "Childhood Shoes" gegründet. Die Zeitschriften bieten eine Plattform, um die Akteure und Experten im Bereich der Kindermode, Kinderschuhe sowie Erstausstattung miteinander zu vernetzen, relevante Themen aufzubereiten und diese attraktiv zu vermitteln. Als Vater eines Sohnes kennt er viele Aspekte aus eigener Anschauung.